Ihr kennt jetzt mein klitzekleines Dilemma, in dem ich stecke. Zeit ein bisschen ins Eingemachte zu gehen und damit ihr euch ein besseres Bild machen könnt, stelle ich euch die beiden Objekte meiner Begierde ein bisschen näher vor.
Zum Einen hätten wir da den Ehemann, der ein ziemlich durchschnittliches Exemplar ist (was ich an dieser Stelle nicht böse meine, Durchschnittlichkeit an sich ist ja nichts negatives). Er ist so, wie die meisten Ehemänner 35plus wohl sind. Mit seinem Job ist er soweit zufrieden, obwohl da meiner Meinung nach noch einiges an Karrierepotenzial wäre, aber da ist er nicht mehr so engagiert. Hin und wieder hat er vor Sport zu treiben und belässt es dann beim Sport im TV gucken. Immerhin ohne Bier und Chips, dafür gönne ich mir dann Schokolade und Eis (und mache natürlich auch keinen Sport). Die ersten grauen Haare sind im Dreitagebart und im Haupthaar zu sehen, letzteres löst sich allerdings langsam auf und aufgrund genetischer Eigenschaften wird es sich wohl in den nächsten Jahren bis auf einen Haarkranz reduzieren.
Der Ehemann ist eigentlich ein sehr pflegeleichtes Exemplar, der weder besonders bekocht werden möchte, noch besonders viel wert auf experimentellen Sex legt. Hin und wieder lässt er seine schmutzige Wäsche auf dem Boden liegen oder sammelt leere Toilettenpapierrollen im Bad. Er trinkt Kaffee, keinen Tee. Er raucht ab und zu, betrinkt sich aber nicht. Der Ehemann liebt Fleisch und hasst Fisch.
Ein Durchschnittsmann.
Trotz seiner Durchschnittlichkeit habe ich diesen Mann vor einigen Jahren geheiratet. Das war weder spontan, noch besonders lange überlegt. Es erschien schlicht und ergreifend als der richtige Zeitpunkt. Diese Art und Weise ist uns bis heute erhalten geblieben. Unsere Ehe ist weder besonders aufregend und spontan, noch ist sie wahnsinnig langweilig und spießig. Wir hatten einige aufregende Nächte inkl. Sex auf Motorhauben, im Schwimmbad und auch auf dem Küchentisch. Noch öfter haben wir allerdings den "normalen" ca. 15 minütigen Sex im Ehebett. Zuerst nahezu täglich, inzwischen ist auch gerne mal ein paar Wochen Flaute. Die aufregende Bekleidung ist bequemen Pyjamahosen gewichen und die schmutzigen Textnachrichten eher allgemeinen Informationen wie "Ich mache gleich Feierabend".
Klingt alles langweilig? Ja, irgendwie schon. Trotzdem empfinde ich das nicht als Langeweile, denn es hat auch etwas ungemein beruhigendes beständiges. Ich kenne den Ehemann ziemlich genau und begebe mich nicht mehr auf unsicheres Terrain, ich muss meinen Bauch beim Sex nicht mehr einziehen und habe kein schlechtes Gewissen, wenn meine Beine im Winter mal etwas stoppeliger sind als im Sommer. Dem Ehemann geht es an diesem Punkt wohl genauso. Jedenfalls weiß ich nichts von einer generellen Unzufriedenheit. Und eigentlich ist es doch auch diese Sicherheit, die alle Pärchen anstreben, oder? Sich alles sagen zu können, sich zuhause wohl zu fühlen, zu wissen, was der andere mag und was vielleicht nicht. Dazu muss man schon so ein paar Tage gemeinsam verbracht haben. Vielleicht ist das auch letzten Endes die Basis, um eine wirklich lange Ehe führen zu können. Man gewöhnt sich aneinander und an das gemeinsame Leben und so verbringt man einen Tag nach dem anderen und ehe man sich versieht, sind einige Jahre um.
Würde ich meiner Großmutter davon erzählen, sie könnte mein Problem wohl gar nicht verstehen. Früher hat man geheiratet, weil man sich gegenseitig versorgen musste und konnte. Jeder hat dabei seinen Teil beigetragen und im besten Fall, hat man sich sogar gut verstanden. Wie heißt es noch so schön? "Wir sind in einer Zeit groß geworden, in der man kaputte Deine repariert und sie nicht weggeworfen hat."
Irgendwie ist da ja schon etwas Wahres dran. Sind wir alle zu verwöhnt? Wird uns die Liebe nur als etwas ganz wunderbares, phantastisches und aufregendes vorgegaukelt, damit wir uns danach sehnen und anfangen, eine ganze "Liebesindustrie" mit ihren falschen Versprechungen zu unterstützen? Das klingt jetzt nach einer großen Verschwörungstheorie, aber ist das so falsch? Sex sells…. und Liebe eben auch. Wenn alle Durchschnittsmenschen mit ihrem durchschnittlichen gemeinsamen Leben zufrieden wären, würden einige Bereiche der Wirtschaft zusammenbrechen.
Partneragenturen muss ich immerhin nicht unterstützen, denn den Ehemann habe ich ja schon - und den Liebhaber dazu. Doppelt hält bekanntlich besser. Und was der Liebhaber so für ein Typ ist (der ist nämlich kein bisschen Durchschnitt!) erzähle ich euch beim nächsten Mal.
In Liebe A.
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